Die Gewürzsammlung der Hildegard-Tradition umfasst über vierzig Kräuter, Wurzeln und Mischungen. Für Einsteiger ist das erst einmal unübersichtlich – zumal die Hälfte davon Namen trägt, die man in keinem Supermarkt findet: Bertram, Galgant, Quendel, Poleiminze, Bibernell.
Diese Seite sortiert das Sortiment nach Gruppen: die vier Grundgewürze, mit denen praktisch jeder anfängt, dann die Wurzeln, die Kräuter, die fertigen Mischungen und schließlich die Handelsgewürze, die schon im Mittelalter aus dem Süden kamen.
Die vier Grundgewürze
Wer mit der Hildegard-Küche beginnt, braucht keine vierzig Gläser. Vier Gewürze decken den Großteil der klassischen Rezepturen ab – sie tauchen in fast jeder Zusammenstellung auf.
| Gewürz | Geschmack | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Bertramwurzelpulver | Mild-erdig, dann deutlich prickelnd auf der Zunge | Über fertige herzhafte Gerichte gestreut |
| Galgantwurzelpulver | Warm, ingwerartig, leicht scharf | Herzhaft wie süß, sehr vielseitig |
| Fenchelpulver | Süßlich-anisartig | Gemüse, Suppen, Gebäck |
| Muskatnuss gemahlen | Herb-warm | Kartoffeln, helle Soßen, Gebäck – sehr sparsam |
Wer alle vier auf einmal möchte, findet sie im Startpaket zusammen mit weiteren Klassikern.
Die Wurzelgewürze
Wurzeln sind die kräftigste Gruppe im Sortiment – intensiv im Geschmack und entsprechend sparsam einzusetzen.
- Bertramwurzelpulver und Bertramwurzel geschnitten – prickelnd, das Leitgewürz der Tradition.
- Galgantwurzelpulver und Galgantwurzel geschnitten – warm und ingwerartig.
- Zitwerwurzelpulver – verwandt mit Kurkuma, herb-bitter.
- Diptamwurzelpulver – aromatisch, in der Überlieferung häufig genannt.
- Enzianwurzelpulver – ausgeprägt bitter.
- Engelsüsspulver – vom Tüpfelfarn, mit süßlicher Note.
- Süssholzwurzelpulver – deutlich süß, lakritzartig.
- Ingwer gepulvert – scharf-warm.
Die Kräuter
Blatt- und Krautgewürze sind milder als die Wurzeln und lassen sich großzügiger einsetzen. Viele davon kennt man aus der normalen Küche, andere sind Spezialitäten der Klostertradition.
- Ysop-Kraut, auch als BIO-Ysop gerebelt – herb-würzig, eines der meistgenannten Kräuter der Überlieferung.
- Quendelkrautpulver – der wilde Thymian, mild-aromatisch.
- Schafgarbenkrautpulver und Schafgarbenkraut geschnitten – herb.
- Poleiminzenkrautpulver – minzig, kräftig.
- Bachminzenkraut – die mildere Verwandte der Pfefferminze.
- Hirschzungenfarnkraut gepulvert – herb, Basis mehrerer Rezepturen.
- Habichtskrautpulver – kräuterig-herb.
- Sanikelkraut geschnitten – traditionsreiche Pflanze der Überlieferung.
- Bio-Betonica-Kraut – Stachys officinalis, in alten Kräuterbüchern häufig beschrieben.
- Fenchelkraut geschnitten – für Aufgüsse.
- Bio-Dillkraut, Bio-Oregano und Bohnenkraut – die Küchenklassiker der Gruppe.
- Bio-Lavendelblüten – blumig-herb.
- Veilchenblätter mit Blüten – mild und blumig.
Die Handelsgewürze
Ein Teil des Sortiments stammt nicht aus mitteleuropäischen Klostergärten, sondern kam über die Handelswege aus Asien und dem Mittelmeerraum. Im Mittelalter waren das teure Raritäten.
- Zimtrinde gepulvert – feiner Ceylon-Zimt.
- Nelkenpulver – intensiv, sehr sparsam zu dosieren.
- Muskatnuss gemahlen – herb-warm.
- Langer Pfeffer – milde Schärfe mit minziger Note.
- Cubebenpfeffer – pfeffrig mit eigenem, fast harzigem Aroma.
- Mutterkümmelpulver – Kreuzkümmel, das Universalgewürz der Gruppe.
Die fertigen Mischungen
Mischungen nehmen einem die Abstimmung ab – praktisch für alle, die nicht mit acht Einzelgläsern hantieren möchten.
| Mischung | Zusammensetzung |
|---|---|
| Bertram-Mischpulver | Bertram mit weiteren Gewürzen der Tradition |
| Fenchelgewürzmischung | Fenchelbasiert, in der Literatur auch unter anderem Namen geführt |
| Selleriegewürzmischung | Sellerie, Muskat, Nelke |
| Griechenkleegewürzmischung | Bockshornklee, weißer Pfeffer, Mutterkümmel |
| Mutterkümmelgewürzmischung | Mutterkümmel als Basis |
| Bärwurzgewürzmischung | Bärwurz als Basis |
| Ingwerpulvermischung | Ingwer mit weiteren Gewürzen |
| Gewürzplätzchenpulver | Die klassische Backmischung der Tradition |
| Hirschzungengewürz | Hirschzungenfarnkraut mit Ceylon-Zimt und weiteren |
Pulver oder geschnitten – was wofür?
Mehrere Pflanzen gibt es in beiden Formen. Die Entscheidung ist keine Geschmacksfrage, sondern eine der Zubereitung:
- Pulver kommt direkt ins oder aufs Gericht. Es löst sich nicht auf, sondern bleibt im Essen – deshalb erst zum Schluss dazugeben, langes Kochen kostet Aroma.
- Geschnittene Ware ist für Auszüge und Aufgüsse gedacht, also zum Ziehenlassen und anschließenden Abseihen. Auch zum Mitkochen geeignet, wenn man die Stücke danach entfernt.
Praxis: fünf Regeln für den Gewürzschrank
- Klein anfangen. Zwei bis drei Gewürze reichen für den Einstieg. Vierzig Gläser, von denen achtunddreißig ungeöffnet altern, helfen niemandem.
- Pulver zum Schluss. Ätherische Öle sind flüchtig – Hitze und Zeit kosten Aroma.
- Dunkel und trocken lagern. Nicht über dem Herd, nicht auf der Fensterbank. Gläser gut verschließen.
- Kleine Mengen kaufen. Gemahlene Gewürze verlieren schneller als ganze. Lieber öfter nachkaufen.
- Etikett beachten. Wo eine Verzehrempfehlung angegeben ist, gilt diese – unabhängig davon, was in Büchern oder Foren steht.
Häufige Fragen
Mit welchen Gewürzen fange ich an?
Bertram und Galgant sind die beiden, die in den meisten Rezepturen vorkommen. Damit lässt sich der Großteil der klassischen Zusammenstellungen abdecken.
Was ist der Unterschied zwischen Bertram und Galgant?
Geschmacklich weit auseinander: Galgant ist warm und ingwerartig, Bertram prickelnd und leicht betäubend auf der Zunge. Viele verwenden beide nebeneinander.
Sind das alles Gewürze aus Hildegards Zeit?
Die Pflanzen sind in mittelalterlichen Kräuterbüchern beschrieben, darunter in Hildegards Physica. Die konkreten Mischungen und Mahlgrade sind moderne Zusammenstellungen, die sich auf diese Überlieferung beziehen.
Wie lange halten sich gemahlene Gewürze?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum steht auf der Packung. Aromatisch sind gemahlene Gewürze deutlich kürzer auf der Höhe als ganze – ein bis zwei Jahre sind ein realistischer Rahmen.
Gibt es Bio-Ware?
Ein Teil des Sortiments ist bio-zertifiziert (DE-ÖKO-006), erkennbar am „BIO" im Produktnamen – etwa bei Ysop, Dill, Oregano, Fenchelpulver und Lavendel.
Worauf muss ich bei Muskatnuss achten?
Muskat ist das empfindlichste Gewürz im Sortiment. In Küchenmengen unproblematisch, in deutlich größeren Mengen gesundheitsschädlich. Sparsam bleiben und außer Reichweite von Kindern aufbewahren.
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Die vollständige Kategorie mit allen Kräutern und Gewürzen finden Sie unter Gewürze nach Hildegard. Die passende Grundlage für die Küche steht bei den Dinkelprodukten, und einen Überblick über das gesamte Sortiment gibt Produkte von A bis Z.