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Maulbeerblätter Tee – Ein alter Bekannter aus Asien und Europa

Maulbeerblätter Tee – Ein alter Bekannter aus Asien und Europa

Der Maulbeerbaum ist eine dieser Pflanzen, die eine ziemlich verrückte Weltreise hinter sich haben. Ursprünglich aus China stammend, zog er über die Seidenstraße nach Westen – zusammen mit den Seidenraupen, für die seine Blätter das einzige Futter sind. Ohne Maulbeerblätter keine Seide. Ohne Seide keine Seidenstraße. So wichtig war dieser bescheidene Baum für die Weltgeschichte. Dass man aus seinen Blättern auch Maulbeerblätter Tee zubereiten kann, ist im Vergleich dazu fast eine Nebengeschichte – aber eine, die es lohnt zu erzählen.

Erst mal: Welche Maulbeere überhaupt?

Bevor wir zum Tee kommen, kurz zur Botanik. Es gibt drei Arten, die im Deutschen unter „Maulbeere" laufen:

Art Botanischer Name Besonderheit
Weiße Maulbeere Morus alba Klassisches Seidenraupenfutter, aus China
Schwarze Maulbeere Morus nigra Aus Vorderasien, dunkle Früchte
Rote Maulbeere Morus rubra Aus Nordamerika, seltener bei uns

Wenn im Zusammenhang mit Tee von Maulbeerblättern die Rede ist, ist meistens die weiße Maulbeere (Morus alba) gemeint. Ihre Blätter werden traditionell verarbeitet – sowohl in China und Japan, als auch in einigen Regionen des Mittelmeerraums.

Der Maulbeerbaum in Europa

Man denkt beim Maulbeerbaum vielleicht sofort an Asien. Was viele nicht wissen: Auch in Europa hat er eine lange Geschichte. Im Mittelalter wurde er in Klostergärten gehalten – teils wegen der Früchte, teils wegen der Versuche, eine eigene europäische Seidenproduktion aufzubauen. Preußen unter Friedrich dem Großen hatte im 18. Jahrhundert sogar staatliche Programme, die den Anbau förderten. Bis heute stehen in einigen alten Klostergärten und Landschlossparks stattliche alte Maulbeerbäume.

Der Baum wird bis zu 15 Meter hoch, hat große, herzförmige Blätter und trägt im Sommer kleine himbeerähnliche Früchte. Wer einmal unter einem fruchtenden Baum stand, weiß: Die Früchte sind süß, kleine schwarze Finger inbegriffen. In der Klostertradition wurde er als „stiller Baum" beschrieben – bescheiden, langlebig, nützlich.

Wie Maulbeerblätter Tee traditionell zubereitet wird

Die Zubereitung ist einfach und direkt. In der klassischen chinesischen und japanischen Tradition werden die Blätter gepflückt, kurz gedämpft oder in der Pfanne erhitzt, dann getrocknet. Diese Behandlung – ähnlich wie bei grünem Tee – erhält die grüne Farbe und den frischen Charakter.

Ein einfaches Rezept

  • Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Maulbeerblätter
  • Eine Tasse (250 ml) heißes, aber nicht kochendes Wasser (etwa 80 bis 90 Grad)
  • Sieben bis zehn Minuten ziehen lassen
  • Abseihen und langsam trinken

Der Geschmack ist mild, leicht grasig, mit einer feinen süßlichen Note. Manche Menschen finden ihn ein bisschen an milden grünen Tee erinnernd – nur ohne dessen Herbheit und ohne Koffein. Wer es intensiver mag, kann etwas Zimt dazugeben; die Kombination taucht in mehreren traditionellen Rezepturen auf. Wer sich für weitere überlieferte Tees aus der Klostertradition interessiert, findet in unserer Sammlung Kräuter, Gewürze und Tees verschiedene Klassiker.

Maulbeerblätter für Tee selber machen

Wer einen Maulbeerbaum im Garten oder in der Nachbarschaft hat, kann die Blätter selbst verarbeiten. Der beste Erntezeitpunkt liegt im späten Frühjahr und Frühsommer, wenn die Blätter noch relativ jung, aber schon voll ausgeprägt sind – also etwa Mai bis Juli. Die dunkleren, älteren Blätter des Spätsommers werden zäher und schmecken deutlicher grasig.

So funktioniert es

  1. Blätter an einem trockenen, sonnigen Vormittag pflücken, nachdem der Tau verdunstet ist
  2. Grob waschen und mit einem Küchentuch trocken tupfen
  3. Kurz in einer trockenen Pfanne bei niedriger Hitze schwenken – wenige Minuten reichen, sie sollen nicht braten
  4. Auf einem Backblech oder Trockentuch verteilen und an einem schattigen, luftigen Ort trocknen
  5. Nach ein bis zwei Wochen in Papiertüten oder dunklen Gläsern lagern

Nicht am Straßenrand oder direkt am Feldrand sammeln – die üblichen Regeln für Wildkräuter gelten hier genauso. Nur ernten, was einwandfrei bestimmt werden kann.

Was die Tradition sagt – und was sie nicht sagen kann

Hier braucht es ein ehrliches Wort. Maulbeerblätter Tee taucht heute oft in Zusammenhängen auf, in denen konkrete gesundheitsbezogene Aussagen gemacht werden – zu Blutzucker, Cholesterin, Gewicht und anderem. Solche Aussagen sind laut EU-Recht (Health-Claims-Verordnung) für Lebensmittel wie Kräutertees nicht zugelassen, wenn sie nicht ausdrücklich geprüft wurden. Die Europäische Arzneimittelagentur hat Maulbeerblätter bislang nicht in eine Monographie aufgenommen.

Was verlässlich überliefert ist: Maulbeerblätter sind Bestandteil der traditionellen chinesischen und japanischen Kräuterkunde und werden dort seit vielen Jahrhunderten in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Der Tee ist mild, koffeinfrei, unaufgeregt. Ob er im individuellen Fall zum Speiseplan passt – das entscheidet man am besten mit der Ärztin oder Apothekerin, besonders bei chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme.

Der Baum in der europäischen Klostertradition

Hildegard von Bingen erwähnt den Maulbeerbaum in ihrer Physica. Die Pflanze war ihr also bekannt – wenig überraschend, sie war im 12. Jahrhundert in mitteleuropäischen Klöstern zumindest gelegentlich anzutreffen. In der Hildegard-Tradition bis heute gibt es einen sogenannten Maulbeertrank, der auf alten Klosterrezepturen basiert und in der überlieferten Tradition seit Jahrhunderten weitergegeben wird.

Wer mehr über die Klosterpflanzen in Hildegards Werk lesen möchte, findet in unserem Beitrag zur Ernährung nach Hildegard von Bingen einen guten Einstieg.

Wo kaufen? Und worauf achten?

Maulbeerblätter Tee gibt es heute in vielen Kanälen – bei Rossmann, dm, im Reformhaus, in Apotheken oder in spezialisierten Onlineshops. Beim Kauf lohnt sich ein Blick auf ein paar Punkte:

  • Nachvollziehbare Herkunft der Blätter
  • Bio-Qualität, besonders bei täglichem Konsum
  • Klare Sortenangabe (meist Morus alba)
  • Kein Zusatz von Aromen oder Zusatzstoffen
  • Frischer, deutlich grüner Geruch beim Öffnen der Packung

Der Preis liegt je nach Qualität und Herkunft zwischen wenigen Euro und einem gehobenen Bio-Bereich. Wie bei allen Tees gilt: Sehr günstige Ware ist meist auch dementsprechend im Aroma.

Wann Vorsicht angebracht ist

Auch wenn Maulbeerblätter Tee als mildes Kräutergetränk gilt, gibt es Situationen, in denen ein Gespräch mit der Ärztin sinnvoll ist:

  • Bei Diabetes und der Einnahme blutzuckersenkender Medikamente
  • Bei anderen chronischen Erkrankungen
  • Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme allgemein
  • In Schwangerschaft und Stillzeit
  • Bei Kindern
  • Bei bestehenden Allergien gegen Maulbeergewächse

Der Tee ist ein Getränk – aber kein automatisch harmloses Getränk für jede Situation. Ein kurzer Check-in mit der Apotheke oder Hausärztin klärt schneller als jede Suchmaschine, ob er in den individuellen Alltag passt.

Ein Kraut, das eine Weltreise gemacht hat

Was am Maulbeerblätter Tee vielleicht am schönsten ist: seine Geschichte. Von den Seidenraupenfarmen im alten China über die persischen Karawanen, die venezianischen Handelshäuser bis in preußische Klostergärten – der Maulbeerbaum hat kulturelle Grenzen gequert wie kaum eine andere Nutzpflanze. Wer heute eine Tasse dieses Tees trinkt, hat streng genommen ein Stück Seidenstraßengeschichte in der Hand. Das ist bei einem einfachen Kräutertee schon fast ein bisschen viel.

Weiterführende Inhalte

Häufige Fragen zum Maulbeerblätter Tee

Was ist Maulbeerblätter Tee?

Ein Aufguss aus den getrockneten Blättern der Maulbeere, meist der weißen Maulbeere (Morus alba). Er wird traditionell in China und Japan verwendet und ist auch in Europa seit Jahrhunderten bekannt.

Wie schmeckt der Tee?

Mild, leicht grasig, mit einer feinen süßlichen Note. Manche Menschen finden ihn an milden grünen Tee erinnernd – ohne dessen Herbheit und ohne Koffein.

Wie wird Maulbeerblätter Tee zubereitet?

Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blätter mit heißem, aber nicht kochendem Wasser (etwa 80 bis 90 Grad) übergießen. Sieben bis zehn Minuten ziehen lassen, abseihen. Wer es intensiver mag, kann etwas Zimt zugeben.

Kann man Maulbeerblätter Tee selber machen?

Ja, wenn man Zugang zu einem Maulbeerbaum hat. Junge bis mittelalte Blätter im späten Frühjahr oder Frühsommer ernten, kurz in einer trockenen Pfanne schwenken und anschließend an einem schattigen, luftigen Ort trocknen. Nach ein bis zwei Wochen in dunkle Gläser oder Papiertüten füllen.

Wo kann man Maulbeerblätter Tee kaufen?

In gut sortierten Reformhäusern, Apotheken, Drogeriemärkten wie Rossmann oder dm sowie in spezialisierten Onlineshops. Auf Bio-Qualität, klare Herkunft und den Verzicht auf Zusatzstoffe achten.

Ist der Tee koffeinfrei?

Ja, Maulbeerblätter Tee enthält kein Koffein. Er lässt sich also auch am Nachmittag oder Abend problemlos trinken.

Wo wächst der Maulbeerbaum?

Ursprünglich in China, mit der Seidenstraße kam er nach Vorderasien und dem Mittelmeerraum. Auch in Mitteleuropa ist er seit dem Mittelalter in Klostergärten und alten Parkanlagen zu finden.

Wann sollte ich Vorsicht walten lassen?

Bei Diabetes und Einnahme blutzuckersenkender Medikamente, bei anderen chronischen Erkrankungen, bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern lohnt sich ein Gespräch mit der Ärztin oder Apothekerin, bevor man den Tee regelmäßig in den Alltag aufnimmt.

Was sagt Hildegard von Bingen zum Maulbeerbaum?

Hildegard erwähnt den Maulbeerbaum in ihrer Physica. In der Hildegard-Tradition wird bis heute ein Maulbeertrank überliefert, der auf alten Klosterrezepturen basiert.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über Pflanzen, ihre Geschichte und ihre Tradition. Er stellt keine medizinische oder therapeutische Empfehlung dar. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apothekerin.

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