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Hirschzungenfarn – Hildegards Lieblingsfarn

Hirschzungenfarn

Wenn du mal einen Spaziergang durch eine alte Buchenmischwald-Schlucht machst – am besten auf kalkhaltigem Boden, gerne ein bisschen feucht, vielleicht in der Nähe einer Quelle – dann schau auf den Boden. Diese leuchtend grünen, zungenförmigen Wedel zwischen Steinen und Moos: das ist der Hirschzungenfarn. Anders als die meisten Farne hat er keine fiedrig geteilten Blätter, sondern lange, ungeteilte, glänzend grüne Zungen. Daher der Name. Und wenn dich die Pflanze irgendwie an Hildegard von Bingen erinnert – kein Zufall: Sie hat dem Hirschzungenfarn ein eigenes Kapitel in ihrer Physica gewidmet, und in der Hildegard-Tradition gehört er bis heute zu den meistdiskutierten Pflanzen überhaupt.

Was den Hirschzungenfarn so besonders macht

Botanisch heißt er Asplenium scolopendrium, früher auch Phyllitis scolopendrium. Beide Namen begegnen einem in alten Büchern. Er gehört zur Familie der Streifenfarngewächse und unterscheidet sich auf den ersten Blick von allem, was man sonst unter „Farn" einordnet: Statt der typisch gefiederten Wedel sind seine Blätter ganz – lang, schmal, glänzend grün, am Rand leicht wellig, vorne abgerundet. Eine erwachsene Pflanze wird etwa 30 bis 50 Zentimeter hoch und wächst horstartig.

Der Name kommt aus zwei Richtungen: zungenförmig wie die Zunge eines Hirsches – und tatsächlich erinnert die Form sehr stark an eine ausgestreckte Tierzunge. Im Englischen heißt er übrigens „hart's tongue fern", also wörtlich „Hirschzungenfarn". Manche Dinge sind sprachlich einfach naheliegend.

Wo der Hirschzungenfarn wächst

Wer ihn in der Natur sucht, muss schon ein bisschen hinschauen. Der Hirschzungenfarn ist in Mitteleuropa selten geworden und steht in einigen Bundesländern unter Schutz. Er bevorzugt:

  • Schattige bis halbschattige Schluchtwälder
  • Kalkhaltige, feuchte, humose Böden
  • Felsspalten, alte Mauern, Quellbereiche
  • Mischwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit

Im Garten lässt er sich erstaunlich gut nachstellen, wenn man ihm einen Schattenplatz mit feuchtem, kalkhaltigem Boden gibt. Er ist winterhart, mehrjährig und in Pflege ziemlich genügsam – wenn der Standort stimmt. Wenn nicht, lässt er es einen wissen.

Hildegard von Bingen und der Hirschzungenfarn

Jetzt wird's spannend. Hildegard widmet dem Hirschzungenfarn in ihrer Physica ein eigenes Kapitel und beschreibt ihn ausführlich. Sie zählt ihn zu den Pflanzen, die in der Klostertradition besonders herausgehoben werden, und beschreibt eine Zubereitung – das später so berühmt gewordene Hirschzungenelixier. Diese Rezeptur kombiniert den Farn mit weiteren traditionellen Zutaten und wird in der Hildegard-Tradition seit Jahrhunderten überliefert.

Wichtig dabei: Was die Tradition über das Hirschzungenelixier sagt, ist kulturell überliefert, kein medizinischer Wirknachweis. Konkrete gesundheitsbezogene Aussagen sind heute nicht erlaubt. Aber die Tatsache, dass Hildegard sich diese eher unscheinbare Waldpflanze ausgesucht und ihr ein eigenes Kapitel gewidmet hat, sagt einiges über die Rolle des Hirschzungenfarns in der Klostertradition. Wer mehr über die Pflanzen aus diesem Traditionsstrang lesen möchte, findet einen guten Einstieg in unserem Beitrag zu Hildegard-Kräutern.

Was die Tradition zur Wirkung sagt

In den alten Schriften wird der Hirschzungenfarn vor allem im Zusammenhang mit dem Brustbereich und der Verdauung erwähnt. Hildegard selbst beschreibt ihn in einem Atemzug mit Lunge, Leber und Darm – ihrer Logik nach Organe, die in einer bestimmten inneren Verbindung stehen. Auch das berühmte Hirschzungenelixier nach Hildegard wird in der traditionellen Anwendung in diesem Zusammenhang überliefert.

Aber wie immer: Das ist die Erzählung der Klostertradition. Die EMA hat den Hirschzungenfarn nicht in eine Monographie aufgenommen, und gesundheitsbezogene Aussagen sind nicht zugelassen. Wer ernsthafte Beschwerden hat, hat in der Hausärztin die richtige Adresse, nicht in einem mittelalterlichen Kräuterbuch. Was der Hirschzungenfarn aber sicher ist: ein wunderschönes, überlieferungsträchtiges Kraut mit einer langen Geschichte.

Hirschzungenfarn als Tee

In der Tradition wird der Hirschzungenfarn gelegentlich als Tee zubereitet, häufiger aber in Mischungen mit anderen Kräutern. Klassisch trocknet man die jungen Wedel im Schatten und übergießt einen Teelöffel des getrockneten Krauts mit heißem Wasser. Geschmacklich ist das Ergebnis... nun ja. Mild, leicht herb, ein bisschen erdig. Niemand würde Hirschzungenfarntee freiwillig wegen des Geschmacks trinken. Spannend ist er als Teil der Hildegard-Tradition, weniger als Genussgetränk.

Wer überlieferte Klosterkräutertees probieren möchte, findet bei uns im Kräutertee-Sortiment Mischungen aus der Tradition. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme im Zweifel mit Hebamme, Ärztin oder Apothekerin sprechen.

Ist der Hirschzungenfarn giftig?

Kurze Antwort: Der Hirschzungenfarn gilt für Menschen als unbedenklich und wird in der Tradition sogar als Tee verwendet. Bei Tieren – insbesondere bei Katzen, die ja eine eigenwillige Beziehung zu Pflanzen haben – ist allerdings grundsätzlich Vorsicht geboten. Viele Farne werden in den Listen über mögliche unverträgliche Pflanzen für Haustiere erwähnt, wenn auch nicht alle als „giftig" im klassischen Sinne. Wer eine Katze hat, die sich gerne an Zimmerpflanzen vergreift, sollte sicherheitshalber einen Hirschzungenfarn außer Reichweite stellen oder im Garten an eine Stelle setzen, wo das Tier nicht herankommt.

Bei Hunden und Pferden gibt es bislang keine Hinweise auf besondere Probleme. Wenn ein Tier auffällig reagiert, bleibt aber natürlich die Tierärztin die richtige Adresse.

Hirschzungenfarn im Garten – ein dankbarer Bewohner

Wer einen schattigen, etwas vergessenen Eckplatz im Garten hat – die Sorte Ecke, an der sonst nichts so richtig wachsen will – sollte einen Hirschzungenfarn ausprobieren. Er liebt genau das, was viele andere Pflanzen hassen: Schatten, Feuchtigkeit, kalkhaltigen Boden. Im Schattengarten, an einer alten Mauer oder an einem Gartenteich macht er sich wunderbar.

Aspekt Hinweis
Standort Halbschatten bis Vollschatten
Boden Humos, kalkhaltig, gleichmäßig feucht
Pflanzzeit Frühling oder Herbst
Pflege Gleichmäßig feucht halten, im Frühjahr alte Wedel entfernen
Winterhart Ja, bis etwa -20 °C
Lebensdauer Mehrjährig, kann Jahrzehnte am Standort bleiben

Was er nicht mag: Trockenheit, pralle Sonne und sauren Boden. Wer einen Rhododendron-Beet hat – das ist der Boden, auf dem der Hirschzungenfarn nicht funktioniert. Eine Handvoll Kalk im Pflanzloch und ein bisschen Kompost machen ihn dagegen sehr glücklich.

Hirschzungenfarn als Zimmerpflanze

Auch in der Wohnung lässt er sich halten – wenn man ihm das gibt, was er braucht: einen kühlen, schattigen Platz mit hoher Luftfeuchtigkeit. Heizungsluft im Wohnzimmer mag er nicht. Im Badezimmer, in einer kühlen Küche oder in einem hellen, ungeheizten Treppenhaus fühlt er sich deutlich wohler. Zentralheizungs-Wohnzimmer sind dagegen meistens das Ende eines Hirschzungenfarns. Tut mir leid für diese Wahrheit.

Hirschzungenfarn schneiden und vermehren

Schneiden ist einfach: Im zeitigen Frühjahr werden die alten, vom Winter mitgenommenen Wedel an der Basis entfernt – mehr nicht. Die Pflanze treibt dann frisch nach. Wer ihn vermehren will, hat zwei Wege: über Sporen (geduldsspielähnlich, dauert lange) oder über Teilung im Frühjahr. Teilung ist deutlich einfacher: Die Pflanze ausgraben, vorsichtig in zwei oder drei Stücke teilen, neu einsetzen. Funktioniert in der Regel zuverlässig.

Eine Pflanze mit Symbolkraft

Der Hirschzungenfarn ist eine dieser Pflanzen, die mehr sind als ein botanischer Eintrag. In der Klostertradition steht er für eine bestimmte Sorgfalt im Umgang mit der Natur – das Wahrnehmen auch der unscheinbaren, schwer zu findenden Arten. Hildegard von Bingen war keine Pflanzenromantikerin, aber sie hatte einen klaren Blick dafür, was wichtig sein könnte. Dass sie ausgerechnet diesem versteckten Schluchtwaldfarn ein Kapitel gewidmet hat, ist erzählerisch fast schöner als jede Wirkungsbeschreibung.

Das Konzept des Maßhaltens – Hildegards discretio – passt zum Hirschzungenfarn übrigens besonders gut. Eine Pflanze, die im Verborgenen wächst, langsam, ohne Spektakel, und doch über Jahrhunderte ihren Platz hält. Mehr zur Lebenslehre Hildegards in unserem Beitrag zur Hildegard-Lehre im Überblick und zur Ernährung nach Hildegard von Bingen.

Wann Vorsicht angebracht ist

  • In Schwangerschaft und Stillzeit auf konzentrierte Zubereitungen verzichten
  • Kindern keinen Hirschzungenfarntee ohne ärztliche Rücksprache geben
  • Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme die Apotheke fragen
  • Beim Sammeln in der Natur: Naturschutz beachten – die Pflanze ist regional geschützt
  • Wer eine Katze hat: Pflanze außer Reichweite halten

Weiterführende Inhalte

Häufige Fragen zum Hirschzungenfarn

Was ist der Hirschzungenfarn?

Eine besondere Farnart aus der Familie der Streifenfarngewächse. Botanisch Asplenium scolopendrium. Anders als die meisten Farne hat er nicht gefiederte, sondern ungeteilte, lange, glänzend grüne Wedel – wie Tierzungen geformt.

Wo wächst der Hirschzungenfarn?

In schattigen, feuchten Schluchtwäldern auf kalkhaltigem Boden, in Felsspalten und an alten Mauern. In Mitteleuropa ist er selten und in einigen Regionen geschützt.

Was sagt die Tradition zur Wirkung?

In der überlieferten Klostertradition wird der Hirschzungenfarn vor allem im Zusammenhang mit Brust und Verdauung erwähnt. Hildegard von Bingen widmet ihm ein eigenes Kapitel in ihrer Physica. Konkrete gesundheitsbezogene Aussagen sind heute nicht zugelassen.

Was ist das Hirschzungenelixier?

Eine traditionelle Zubereitung nach Hildegard von Bingen, in der der Hirschzungenfarn mit weiteren Zutaten kombiniert wird. Sie wird in der Hildegard-Tradition seit Jahrhunderten überliefert.

Ist der Hirschzungenfarn giftig?

Für Menschen gilt er als unbedenklich. Bei Katzen ist generell Vorsicht mit Farnen sinnvoll – sicherheitshalber außer Reichweite stellen. Für Hunde und Pferde gibt es keine besonderen Hinweise auf Probleme.

Wie pflege ich den Hirschzungenfarn im Garten?

Schattig pflanzen, kalkhaltigen, humosen Boden gleichmäßig feucht halten, im Frühjahr die alten Wedel zurückschneiden. Er ist winterhart und mehrjährig.

Ist der Hirschzungenfarn winterhart?

Ja, er übersteht Temperaturen bis etwa -20 °C ohne Probleme. Im Frühjahr werden die alten, mitgenommenen Wedel zurückgeschnitten, und er treibt frisch aus.

Geht der Hirschzungenfarn als Zimmerpflanze?

Ja – aber nicht im warmen Wohnzimmer. Er braucht einen kühlen, schattigen Standort mit hoher Luftfeuchtigkeit. Badezimmer, kühle Küche oder unbeheiztes Treppenhaus sind ideal.

Wie vermehre ich den Hirschzungenfarn?

Am einfachsten durch Teilung im Frühjahr. Pflanze ausgraben, vorsichtig in zwei bis drei Stücke teilen, neu einsetzen. Sporenvermehrung ist möglich, aber langwierig.

Was sagt Hildegard von Bingen zum Hirschzungenfarn?

Hildegard widmet ihm in ihrer Physica ein eigenes Kapitel und beschreibt eine Zubereitung – das später so genannte Hirschzungenelixier. Sie ordnet den Farn der Brust- und Verdauungsregion zu. In der Hildegard-Tradition ist er bis heute eine der bekanntesten Pflanzen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über Pflanzen und ihre Tradition. Er stellt keine medizinische oder veterinärmedizinische Empfehlung dar. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Tierärztin.