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Süßholz: Pflanze, Verwendung und worauf zu achten ist

Süßholz: Pflanze, Verwendung und worauf zu achten ist

„Süßholz raspeln" kennt jeder als Redewendung — dass dahinter eine echte Pflanze und eine echte Tätigkeit steckt, wissen die wenigsten. Süßholz ist der Rohstoff, aus dem Lakritz gemacht wird, und es ist eines der wenigen Naturprodukte, das deutlich süßer schmeckt als Zucker.

Diese Seite erklärt, was Süßholz botanisch ist, wie es verwendet wird, welche Formen es gibt — und warum bei der Menge Zurückhaltung angebracht ist.

Wichtig vorweg: die Mengenfrage

Süßholz enthält Glycyrrhizin, den Stoff, der für den typischen Geschmack verantwortlich ist. In den Mengen, die als Gewürz oder gelegentlicher Tee üblich sind, ist das unproblematisch. Bei regelmäßigem oder größerem Verzehr gilt das nicht mehr.

Deshalb tragen Erzeugnisse mit Süßholz ab bestimmten Gehalten einen vorgeschriebenen Hinweis: Bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr vermieden werden. Dieser Hinweis steht nicht aus Vorsicht auf der Packung, sondern weil er gesetzlich gefordert ist.

Halten Sie in folgenden Fällen vorher Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt:

  • Schwangerschaft und Stillzeit. Von größeren Mengen Süßholz und Lakritz wird in dieser Zeit ausdrücklich abgeraten.
  • Bluthochdruck oder Einnahme blutdrucksenkender Mittel.
  • Nieren- oder Herzerkrankungen.
  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme, insbesondere entwässernder Mittel.
  • Bei Kindern — hier gelten die Angaben auf der Packung.

Für die konkrete Menge ist ausschließlich die Verzehrempfehlung auf dem jeweiligen Etikett maßgeblich.

Was ist Süßholz?

Süßholz — botanisch Glycyrrhiza glabra — ist ein Schmetterlingsblütler und damit verwandt mit Erbse, Bohne und Klee. Die Pflanze wird bis zu anderthalb Meter hoch, trägt gefiederte Blätter und blassviolette Blüten. Verwendet wird ausschließlich die Wurzel, die mehrere Meter in die Tiefe reicht.

Beheimatet ist sie in Südeuropa und Vorderasien. Angebaut wird sie unter anderem in Spanien, Italien, der Türkei und Zentralasien — überall dort, wo es warm und trocken genug ist. In Deutschland gab es historisch Anbau in der Gegend um Bamberg.

Der botanische Name sagt es schon: Glycyrrhiza kommt aus dem Griechischen und bedeutet „süße Wurzel".

Süßholz und Lakritz

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt, meinen aber verschiedene Dinge. Süßholz ist die Pflanze beziehungsweise ihre Wurzel. Lakritz ist das Erzeugnis daraus: eingedickter Süßholzsaft, meist mit weiteren Zutaten.

Für Lakritz wird die Wurzel ausgekocht und der Auszug so lange eingedampft, bis eine zähe, dunkle Masse entsteht. Dieser eingedickte Saft ist die Grundlage aller Lakritzerzeugnisse — vom Rohlakritz bis zur Süßware.

Die Formen im Überblick

Form Was es ist Typische Verwendung
Süssholzwurzelpulver Fein vermahlene Wurzel, 100 % rein Über Speisen, in Breie und Gebäck
Süssholzwurzel geschnitten Grob geschnittene Wurzelstücke Für Aufgüsse und Teemischungen
Süßholzsaft JURA Eingedickter Auszug aus der Wurzel Zum Süßen, tropfenweise dosiert
Rosenlakritz JURA Lakritz in Kombination mit Rosenextrakt Als eigenständige Zubereitung

Verwendung in der Küche

Süßholz schmeckt deutlich süß mit einer typisch anisartig-erdigen Note. Die Süßkraft liegt über der von Haushaltszucker, weshalb sehr kleine Mengen genügen.

  • Im Tee. Geschnittene Wurzel mit heißem Wasser übergießen und zugedeckt ziehen lassen. Klassische Partner sind Minze und Fenchel.
  • Zum Süßen. Der eingedickte Saft ersetzt in kleinen Mengen Honig oder Zucker — allerdings mit deutlichem Eigengeschmack.
  • Im Gebäck. Pulver sparsam unter das Mehl mischen, passt zu Anis, Fenchel und Zimt.
  • Zu Wurzelgemüse und dunklen Soßen. In der nordischen Küche verbreitet, bei uns noch selten.

Süßholz raspeln

Die Redewendung kommt von einer realen Praxis: Getrocknete Süßholzstangen wurden geraspelt oder gekaut, um die Süße freizusetzen. Wer ein Stück ganze Wurzel hat, kann das heute noch so machen — mit einer feinen Reibe oder indem man ein Stück einfach im Mund zerkaut. Die Süße setzt langsam ein und hält lange an.

Auch hier gilt die Mengenbegrenzung. Süßholz zu kauen ist kein Kaugummiersatz für den ganzen Tag.

Süßholz in der Klostertradition

Süßholz gehört zu den Pflanzen, die in Hildegards Physica beschrieben werden. Es war ein Handelsgut aus dem Süden und damit kostbarer als das, was im eigenen Garten wuchs — vergleichbar mit Zimt, Nelke und Muskat.

Zur Einordnung gehört: Die Physica ist ein Text des 12. Jahrhunderts und folgt einem Naturverständnis, das mit dem heutigen nicht vergleichbar ist. Sie überliefert den historischen Umgang mit der Pflanze.

In der heutigen Hildegard-Küche taucht Süßholz vor allem in Kombination mit Engelsüsspulver auf, sowie als Zutat in Zubereitungen wie dem Sanikelelixier aus Sanikelkraut.

Lagerung

  • Pulver und geschnittene Wurzel trocken, dunkel und gut verschlossen. Pulver zieht Feuchtigkeit.
  • Eingedickten Saft kühl und verschlossen aufbewahren. Er ist zäh und lässt sich bei Zimmertemperatur leichter dosieren.
  • Ganze Wurzelstücke halten sich sehr lange, verlieren aber langsam an Aroma.

Häufige Fragen

Ist Süßholz dasselbe wie Lakritz?

Nein. Süßholz ist die Pflanze, Lakritz das daraus gewonnene Erzeugnis — eingedickter Süßholzsaft, meist mit weiteren Zutaten.

Darf man Süßholz in der Schwangerschaft verwenden?

Von größeren Mengen Süßholz und Lakritz wird in Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten. Klären Sie das vorher ärztlich ab.

Warum steht ein Blutdruckhinweis auf der Packung?

Weil er bei Erzeugnissen mit Süßholz ab bestimmten Gehalten gesetzlich vorgeschrieben ist. Bei hohem Blutdruck sollte übermäßiger Verzehr vermieden werden.

Wo wächst Süßholz?

In Südeuropa und Vorderasien, angebaut unter anderem in Spanien, Italien, der Türkei und Zentralasien. Es braucht Wärme und Trockenheit.

Was heißt „Süßholz raspeln"?

Ursprünglich das Abraspeln getrockneter Süßholzstangen, um die Süße freizusetzen. Als Redewendung steht es heute für schmeichelndes Reden.

Wie schmeckt Süßholz?

Deutlich süß mit anisartig-erdiger Note. Die Süßkraft liegt über der von Zucker — deshalb reichen kleine Mengen.

Was ist der Unterschied zwischen echtem und chinesischem Süßholz?

Es handelt sich um verschiedene Arten derselben Gattung. Bei uns im Handel üblich ist Glycyrrhiza glabra, das Echte Süßholz. Achten Sie auf die botanische Bezeichnung auf der Packung.

Weiter im Sortiment

Alle Süßholzerzeugnisse sowie die übrigen Kräuter und Gewürze finden Sie in der Kategorie Gewürze nach Hildegard. Einen sortierten Überblick gibt die Seite Die wichtigsten Gewürze nach Hildegard von Bingen.

Wie sich getrocknete Kräuter richtig aufbewahren lassen, steht im Beitrag Kräuter trocknen: Methoden, Zeiten und richtige Lagerung.