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Pfeffersorten: echter Pfeffer und die falschen

Pfeffer ist das meistverwendete Gewürz der Welt, und trotzdem wissen die wenigsten, was in ihrer Mühle steckt. Schwarz, weiß, grün und rot stammen von derselben Pflanze – Szechuanpfeffer, Cayennepfeffer und rosa Pfeffer dagegen sind botanisch gar keine Pfeffer.

Diese Seite sortiert das: welche Sorten es gibt, wo Pfeffer wächst, was die Farben bedeuten und welche der bekannten „Pfeffer“ eigentlich zu ganz anderen Pflanzenfamilien gehören.

Eine Pflanze, vier Farben

Schwarzer, weißer, grüner und roter Pfeffer kommen alle von Piper nigrum, einer tropischen Kletterpflanze. Der Unterschied liegt allein im Erntezeitpunkt und in der Verarbeitung.

Sorte Ernte und Verarbeitung Geschmack
Schwarzer Pfeffer Unreif geerntet, kurz fermentiert, in der Sonne getrocknet – dabei schrumpft die Schale zur typischen Runzelform Kräftig, scharf, holzig
Grüner Pfeffer Unreif geerntet und sofort konserviert, meist in Lake oder gefriergetrocknet Frisch, mild, kräutrig
Weißer Pfeffer Reif geerntet, gewassert, bis sich die Schale löst – übrig bleibt der helle Kern Gleichmäßig scharf, weniger Aroma, leicht erdig
Roter Pfeffer Vollreif geerntet und getrocknet – selten, weil der Erntezeitpunkt eng ist Fruchtig, mild-süßlich

Weißer Pfeffer wird gern für helle Saucen genommen, damit keine dunklen Punkte zu sehen sind. Geschmacklich bezahlt man das mit weniger Komplexität – mit der Schale geht ein guter Teil des Aromas verloren.

Wo Pfeffer wächst

Der Pfefferstrauch ist eine Kletterpflanze, die an Bäumen oder Gerüsten mehrere Meter hoch wächst und kleine Beeren in traubenartigen Ähren trägt. Er braucht Tropenklima: gleichmäßige Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und Schatten.

Die Heimat ist die Malabarküste im Südwesten Indiens. Heute kommt der größte Teil der Welternte aus Vietnam, dazu Indonesien, Indien und Brasilien. Einen eigenen Ruf hat Kampot-Pfeffer aus Kambodscha, der eine geschützte Herkunftsbezeichnung trägt.

Bis eine Pflanze zum ersten Mal trägt, vergehen drei bis vier Jahre. Danach liefert sie über Jahrzehnte.

Die anderen echten Pfeffer

Neben Piper nigrum gibt es weitere Arten derselben Gattung, die in Europa fast vergessen sind – im Mittelalter aber gefragter waren als der heutige Standardpfeffer.

Langer Pfeffer

Piper longum sieht aus wie ein kleiner, dunkler Tannenzapfen. Die ganze Ähre wird verwendet, nicht einzelne Körner. Der Geschmack ist wärmer und süßlicher als bei schwarzem Pfeffer, mit einer Note, die an Zimt und Kardamom erinnert, und einer Schärfe, die langsam kommt und lange bleibt.

In der römischen und mittelalterlichen Küche war Langer Pfeffer teurer und beliebter als der runde. Erst mit dem Seehandel ab dem 16. Jahrhundert verdrängte ihn Piper nigrum. Im Sortiment steht er als Langer Pfeffer.

Cubebenpfeffer

Piper cubeba stammt aus Java und ist an den kleinen Stielen zu erkennen, die an den Körnern hängen – daher auch der Name Stielpfeffer. Er schmeckt pfeffrig mit einer deutlich harzigen, fast eukalyptusartigen Note und einer leichten Bitterkeit im Abgang. Ein eigenwilliges Gewürz, das man mag oder nicht. Im Sortiment als Cubebenpfeffer.

Was kein Pfeffer ist

Drei verbreitete Gewürze tragen den Namen, gehören aber zu völlig anderen Pflanzenfamilien.

Gewürz Botanisch Was es wirklich ist
Szechuanpfeffer Zanthoxylum Rautengewächs, verwandt mit Zitrusfrüchten. Nicht scharf, sondern prickelnd und betäubend
Cayennepfeffer Capsicum Gemahlene Chilischoten, ein Nachtschattengewächs
Rosa Pfeffer Schinus Beeren des Peruanischen Pfefferbaums, verwandt mit Mango und Cashew

Ein Hinweis zu rosa Pfeffer: Weil er zur Familie der Sumachgewächse gehört, kann er bei Menschen mit Cashew- oder Mangoallergie Reaktionen auslösen. Wer davon betroffen ist, sollte bei bunten Pfeffermischungen auf die Zutatenliste sehen – rosa Beeren stecken fast immer darin.

Das Prickeln des Szechuanpfeffers kennen viele übrigens aus einem ganz anderen Zusammenhang: Es ist derselbe Effekt, den Bertram auf der Zunge auslöst. Mehr dazu im Beitrag Bertramwurzel: Verwendung und Dosierung in der Küche.

Pfeffer in der Klostertradition

Pfeffer gehört zu den Gewürzen, die in Hildegards Physica beschrieben werden. Er war im 12. Jahrhundert ein Importgut aus Indien und entsprechend kostbar – die Redewendung vom „Pfeffersäckchen“ für einen reichen Kaufmann stammt aus dieser Zeit.

Zur Einordnung: Die Physica ist ein Text des 12. Jahrhunderts und folgt einem Naturverständnis, das mit dem heutigen nicht vergleichbar ist. Sie dokumentiert, welche Gewürze damals bekannt waren und wie man mit ihnen umging.

In den Rezepturen der Hildegard-Küche taucht Pfeffer in beiden Formen auf: weißer Pfeffer in der Griechenkleegewürzmischung, Langer Pfeffer im Hirschzungengewürz.

Mahlen und lagern

  • Frisch mahlen. Pfeffer verliert sein Aroma innerhalb weniger Monate, sobald er gemahlen ist. Ganze Körner halten Jahre.
  • Spät dazugeben. Langes Mitkochen kostet Schärfe und Aroma. Pfeffer gehört ans Ende.
  • Nicht über dem Herd aufbewahren. Dampf und Wärme sind das Schlimmste für jedes Gewürz.
  • Langen Pfeffer reiben statt mahlen. Die Ähren sind für die meisten Mühlen zu groß. Eine feine Reibe oder ein Mörser funktionieren besser.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen schwarzem und weißem Pfeffer?

Beide stammen von derselben Pflanze. Schwarzer Pfeffer wird unreif mit Schale getrocknet, weißer reif geerntet und von der Schale befreit. Schwarzer schmeckt kräftiger und aromatischer, weißer gleichmäßiger scharf.

Wo wächst Pfeffer?

In den Tropen. Ursprünglich an der Malabarküste in Indien, heute vor allem in Vietnam, Indonesien, Indien und Brasilien.

Ist Szechuanpfeffer ein Pfeffer?

Nein. Er stammt von einem Rautengewächs und ist mit Zitrusfrüchten verwandt. Er ist nicht scharf, sondern erzeugt ein Prickeln auf der Zunge.

Was ist Langer Pfeffer?

Eine eigene Pfefferart, Piper longum, deren ganze Ähre verwendet wird. Der Geschmack ist wärmer und süßlicher als bei schwarzem Pfeffer.

Warum ist roter Pfeffer so selten?

Weil das Erntefenster schmal ist. Die Beeren müssen vollreif gepflückt werden, und das klappt nur bei einem Teil der Ernte.

Kann rosa Pfeffer Allergien auslösen?

Bei Menschen mit Cashew- oder Mangoallergie ist das möglich, weil er zur selben Pflanzenfamilie gehört. In bunten Mischungen ist er fast immer enthalten.

Wie lange hält Pfeffer?

Ganze Körner trocken und dunkel gelagert mehrere Jahre. Gemahlen verliert er schon nach wenigen Monaten spürbar an Aroma.

Weiter im Sortiment

Die übrigen Gewürze der Klostertradition finden Sie in der Kategorie Gewürze nach Hildegard, nach Gruppen sortiert auf der Seite Die wichtigsten Gewürze nach Hildegard von Bingen.

Ähnliche Unterscheidungsfragen beantworten die Seiten Ceylon-Zimt oder Cassia und Kreuzkümmel und Kümmel.