Original Hildegard recipe for 45 years

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Kalbsfußbrühe nach Hildegard – das traditionelle Rezept

Kalbsfußbrühe nach Hildegard – das traditionelle Rezept

Es gibt Rezepte, die halten sich einfach. Über Jahrhunderte, quer durch Generationen, vom Kloster in die Landgastwirtschaft und von dort zurück in die Sonntagsküche. Die Kalbsfußbrühe ist so eines. In der Hildegard-Tradition hat sie seit dem 12. Jahrhundert ihren Platz. In Großmutterküchen war sie das, was man am Tag nach einer langen Woche machte – als Grundlage für alles Weitere, als Wärme im Winter, als etwas, das einfach da war. Wer sie heute zum ersten Mal zubereitet, wundert sich meistens über zwei Dinge: wie einfach das eigentlich ist, und wie sehr sich das Ergebnis vom Brühwürfel unterscheidet.

Warum ausgerechnet Kalbsfüße?

Kurze Sache vorab, weil viele Menschen den Kalbsfuß nicht mehr aus dem Alltag kennen. Der Fuß eines jungen Rinds enthält viel Knochen, Sehne und Bindegewebe – genau die Teile, aus denen beim langen Kochen eine besonders reichhaltige, gelierende Brühe entsteht. Wenn die fertige Kalbsfußbrühe im Kühlschrank abkühlt, wird sie wackelig fest, fast wie ein weiches Aspik. Das ist kein Fehler – das ist ihr Markenzeichen.

In der klassischen europäischen Küche galt die Kalbsfußbrühe deshalb lange als die Königin der Brühen: kräftig, klar, mit einer Textur, die man aus einer Hühnerbrühe niemals herausbekommt. In der Hildegard-Tradition wird sie als „stärkende Brühe" beschrieben – ein Begriff aus der Klosterüberlieferung, kein Wirkversprechen. Was sie leistet, muss jeder für sich merken. Was sicher ist: Ein Teller davon an einem grauen Tag hat schon in Klosterküchen etwas verändert.

Wo bekommt man Kalbsfüße heute?

Das ist der schwierigste Teil des ganzen Rezepts – nicht das Kochen. Beim Discounter oder normalen Supermarkt wirst du selten fündig. Deine besten Anlaufstellen:

  • Der handwerkliche Metzger im Ort – meistens auf Vorbestellung, oft einen oder zwei Tage vorher anrufen
  • Wochenmärkte, besonders die mit direktvermarktenden Bauern
  • Direktvermarkter aus der Region, oft online
  • Halal- oder türkische Metzger, dort sind Kalbsfüße geläufiger als in deutschen Ladentheken

Pro Person rechnest du mit etwa 200 bis 300 Gramm Kalbsfüßen. Am besten lässt du sie beim Metzger direkt in kleinere Stücke zerteilen – zu Hause ist das mit einem normalen Küchenmesser eher schwierig.

Das Rezept: Kalbsfußbrühe nach Hildegard

Zutaten für etwa 3 Liter Brühe (6 bis 8 Portionen)

Zutat Menge
Kalbsfüße, zerteilt 1,5 kg
Karotten 2 mittelgroße
Sellerie (Knolle oder Stangen) ein Stück Knolle oder 3 Stangen
Lauch 1 Stange
Petersilienwurzel 1 Stück
Zwiebel 1 große
Knoblauch 2 Zehen
Lorbeerblätter 2
Wacholderbeeren 4 bis 5
Pfefferkörner 1 Teelöffel
Petersilie, glatt (mit Stielen) 1 kleiner Bund
Salz nach Geschmack, am Ende
Kaltes Wasser etwa 4 Liter
Ein Schuss guter Essig oder trockener Weißwein optional, etwa 2 EL

Wer im Geist der Hildegard-Küche kocht, gibt am Ende eine Prise Galgant und einen Hauch Bertramwurzelpulver dazu – beides Klassiker der Hildegard-Tradition. Mehr zum Klassiker Galgant findest du in unserem Beitrag zur Rolle des Galgants in Hildegards Werk. Auch Bertram nach Hildegard passt hier gut ins Bild.

Zubereitung

1. Blanchieren. Die Kalbsfüße unter kaltem Wasser gründlich abspülen, in einen großen Topf geben, mit kaltem Wasser bedecken und einmal aufkochen lassen. Etwa fünf Minuten kochen, dann das Wasser wegschütten und die Fußstücke unter fließendem Wasser abspülen. Das klingt umständlich, aber dieser Schritt ist der Trick für eine wirklich klare Brühe. Er entfernt Trübstoffe und Bluteiweiß.

2. Frisch ansetzen. Die abgespülten Fußstücke zurück in den (gereinigten) Topf geben. Mit den vier Litern kaltem Wasser bedecken. Optional den Schuss Essig oder Weißwein dazugeben – das hilft, aus den Knochen mehr Mineralien und Kollagen herauszulösen. Langsam zum Simmern bringen. Nicht sprudelnd kochen. Simmern heißt: kleine Bläschen, die gelegentlich an die Oberfläche kommen.

3. Abschäumen. In der ersten halben Stunde bildet sich an der Oberfläche Schaum. Diesen mit einem Löffel oder Schaumkelle abschöpfen und wegwerfen. Ist auch das Geheimnis der Klarheit.

4. Gemüse dazu. Nach etwa einer Stunde des sanften Simmerns das grob geputzte Gemüse dazugeben: Karotten geviertelt, Sellerie grob gewürfelt, Lauch in dicken Ringen, Petersilienwurzel halbiert, Zwiebel mit Schale halbiert (das gibt der Brühe eine schöne Farbe), Knoblauch angedrückt. Dazu Lorbeer, Wacholderbeeren und Pfefferkörner.

5. Weitersimmern. Jetzt kommt die Zeit. Die Brühe soll insgesamt drei bis vier Stunden köcheln – ganz sanft. Zwischendurch immer mal wieder Wasser nachgießen, falls zu viel verdampft. Der Deckel liegt lose auf.

6. Petersilie am Ende. Etwa 20 Minuten vor Ende der Kochzeit die Petersilie mit den Stielen dazugeben. Am Schluss ziehen lassen.

7. Absieben. Die Brühe durch ein feines Sieb oder ein sauberes Tuch gießen. Die Fußstücke und das Gemüse haben ihre Aufgabe erfüllt und wandern in den Kompost oder Restmüll. Jetzt erst salzen, langsam und nach Geschmack.

8. Kühlen. Die abgekühlte Brühe kommt für ein paar Stunden in den Kühlschrank. Dabei zieht das Fett an die Oberfläche und lässt sich mit einem Löffel leicht abheben. Was zurückbleibt, ist eine goldklare, leicht gelierende Brühe.

Ein paar ehrliche Küchentipps

Ein guter Metzger schneidet die Kalbsfüße wirklich klein – das macht das Auslaugen effizienter. Wer sie am Stück in den Topf legt, kocht doppelt so lange auf halber Ausbeute.

Der Essig oder Weißwein am Anfang ist kein muss, aber er macht einen Unterschied. Die Säure hilft, Mineralien aus dem Knochen zu lösen. Man schmeckt sie am Ende nicht.

Salzen wirklich erst am Schluss. Wer zu früh salzt, kann eine viel zu salzige Brühe bekommen, sobald das Wasser weiter verdampft.

Und, weil das die häufigste Frage ist: Ja, die Brühe soll gelieren. Wenn sie kalt fest wird, hat alles funktioniert. Das ist das Kollagen aus den Knochen und Sehnen. Beim Erwärmen wird sie wieder flüssig.

Was du damit anfangen kannst

Kalbsfußbrühe ist ein Fundament, keine Endstation. Sie ist die Basis für:

  • Klare Rinderbrühe mit Griesnockerl oder Pfannkuchenstreifen
  • Klassische Sonntagsuppe mit feinem Gemüse und Petersilie
  • Grundlage für Saucen (jede gute Sauce beginnt mit einer echten Brühe)
  • Basis für Risotto oder feine Getreidegerichte
  • Warme Tasse Brühe für sich – gerade an kalten Tagen ein Klassiker

Wer im Sinne der Hildegard-Küche mehr Rezepte ausprobieren möchte, findet in unserer Rezept-Sammlung nach Hildegard eine Reihe von Klassikern. Auch die Fastensuppe nach Hildegard oder das Alltagsrezepte-Set passen thematisch dazu.

Aufbewahrung und Vorrat

Die Brühe hält sich im Kühlschrank vier bis fünf Tage. Wer sie länger aufbewahren will, portioniert sie in Gläser oder in Eiswürfelformen und friert sie ein – dort hält sie problemlos drei bis vier Monate. Eingefroren als kleine Portionen ist sie das nützlichste, was man in einer Küche haben kann.

Kalbsfußbrühe in der Hildegard-Tradition

Hildegard von Bingen erwähnt in ihrer Physica und in ihrem Werk Causae et Curae immer wieder Brühen als Bestandteil eines maßvollen Speiseplans. Konkret die Kalbsfußbrühe ist in der überlieferten Hildegard-Tradition ein Klassiker, der bis heute weitergegeben wird – auch wenn sie in Hildegards eigenen Schriften nicht in dieser Detailtiefe rezeptiert ist.

Charakteristisch für die Hildegard-Küche: Speisen werden nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit dem ganzen Menschen. Der Ansatz ist unaufgeregt – keine dramatischen Behauptungen, keine Wunderversprechen. Was zählt, ist die tägliche, maßvolle Speise. Mehr zu diesem Konzept in unserem Beitrag zur Ernährung nach Hildegard von Bingen.

Wann Vorsicht walten lassen

Kräftige Fleischbrühen enthalten mehr Purine als leichte Gemüsesuppen. Wer an Gicht leidet, sollte kräftige Kalbsfußbrühe nicht in großen Mengen zu sich nehmen und im Zweifel mit der Ärztin sprechen. Auch bei Nierenerkrankungen ist Zurückhaltung sinnvoll. Für gesunde Erwachsene ist die Brühe eine ganz normale, kulinarische Freude.

Weiterführende Inhalte

Häufige Fragen zur Kalbsfußbrühe

Wo bekomme ich Kalbsfüße?

Beim handwerklichen Metzger auf Vorbestellung, auf Wochenmärkten mit Direktvermarktern, bei türkischen oder Halal-Metzgern und über regionale Onlineshops. Im normalen Supermarkt sind sie eher selten.

Wie lange muss Kalbsfußbrühe kochen?

Insgesamt drei bis vier Stunden bei sanftem Köcheln. Kein sprudelndes Kochen – das macht die Brühe trüb.

Warum wird meine Brühe fest, wenn sie kalt wird?

Das ist kein Fehler, sondern gewollt. Das Kollagen aus Knochen und Sehnen bewirkt, dass die Brühe kalt geliert. Beim Erwärmen wird sie wieder flüssig.

Kann ich statt Kalbsfüße auch andere Knochen nehmen?

Rinderknochen oder Markknochen sind eine mögliche Alternative, allerdings mit weniger Gelierkraft. Wer echte Kalbsfußbrühe will, kommt am Kalbsfuß nicht vorbei.

Muss ich die Kalbsfüße wirklich blanchieren?

Ja, wenn du eine klare Brühe willst. Der Blanchierschritt entfernt Trübstoffe und Bluteiweiß. Ohne wird die Brühe grau-trüb – geschmacklich ist das kein Drama, optisch schon.

Ist Kalbsfußbrühe gesund?

Gesundheitsbezogene Aussagen zu einzelnen Lebensmitteln sind nach EU-Recht nicht zugelassen. Traditionell gilt kräftige Brühe als „stärkende Speise" – was das im Einzelfall bedeutet, entscheidet der eigene Alltag. Für Menschen mit Gicht oder Nierenthemen ist zurückhaltender Konsum sinnvoll.

Kann ich die Brühe einfrieren?

Ja. Am praktischsten in kleinen Portionen – Gläschen, Eiswürfelformen oder Gefrierbeutel. Sie hält sich drei bis vier Monate im Tiefkühler.

Was passt zur Kalbsfußbrühe?

Klassisch Griesnockerl, Pfannkuchenstreifen, feines Gemüse und viel frische Petersilie. Wer es einfach mag: eine Tasse pur, mit einer Prise Salz und einem Löffel gehackter Petersilie obendrauf.

Was sagt Hildegard von Bingen zur Kalbsfußbrühe?

Konkret in dieser Form ist die Brühe in Hildegards Schriften nicht rezeptiert. In der Hildegard-Tradition wird sie aber seit Jahrhunderten weitergegeben und passt gut zu ihrem Konzept einer maßvollen, kräftigen Speise – ohne Wunderversprechen, dafür mit Sorgfalt.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über traditionelle Rezepte und die Hildegard-Küche. Er stellt keine medizinische oder therapeutische Empfehlung dar. Bei besonderen Ernährungsbedürfnissen oder chronischen Erkrankungen wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

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