Pfefferkraut ist eine dieser Pflanzen, die viele Menschen zwar dem Namen nach kennen, aber selten genauer einordnen können. Wer in alten Kräuterbüchern blättert, stößt regelmäßig auf sie – mal als kulinarisches Würzkraut, mal als feste Größe in der Klostertradition. Und tatsächlich gibt es zwei verschiedene Pflanzen, die in deutschen Quellen mit dem Namen Pfefferkraut bezeichnet werden. Ein Grund mehr, einmal in Ruhe hinzuschauen.
Pfefferkraut ist nicht gleich Pfefferkraut
Der Begriff „Pfefferkraut" wird im Deutschen für zwei unterschiedliche Pflanzen verwendet. Das kann zu Verwirrung führen, weil beide eine lange Geschichte in der europäischen Kräuterkunde haben:
- Bohnenkraut (Satureja hortensis) – im süddeutschen und österreichischen Raum oft schlicht „Pfefferkraut" genannt, weil es einen leicht pfeffrigen Geschmack hat.
- Pfefferkraut im engeren Sinne (Lepidium latifolium) – auch Breitblättrige Kresse genannt, mit einem schärferen, pfeffrig-scharfen Aroma.
Wenn in alten Quellen vom Pfefferkraut die Rede ist, ist meistens das Bohnenkraut gemeint – die Pflanze, die seit der Antike in der Küche und in den Klostergärten ihren Platz hat. Im weiteren Verlauf konzentrieren wir uns vor allem auf diese Variante.
Eine Pflanze mit langer Geschichte
Bohnenkraut stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und kam mit den Römern über die Alpen. Schon Plinius der Ältere und Dioskurides erwähnten es in ihren Werken, und im Mittelalter gehörte es zu den Pflanzen, die in fast jedem Klostergarten standen. Im berühmten Capitulare de villis Karls des Großen – einer Verordnung aus dem 9. Jahrhundert, in der die Pflanzen für die kaiserlichen Gärten festgelegt wurden – ist auch das Bohnenkraut aufgeführt.
In der Klostertradition wurde es geschätzt als einfaches, zuverlässiges Würzkraut, das fast überall wächst und sich gut trocknen lässt. Mehr zu den klassischen Klostergartenpflanzen findet sich in unserem Beitrag zu Hildegard-Kräutern.
Botanik und Geschmack
Bohnenkraut ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Es wird etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch, hat schmale, dunkelgrüne Blätter und kleine, weiße bis zartlila Blüten. Charakteristisch ist sein würzig-pfeffriger Geschmack mit einer leicht harzigen Note. Wer das Kraut zwischen den Fingern zerreibt, nimmt sofort den intensiven Duft wahr, der an eine Mischung aus Thymian, Pfeffer und Bergkräutern erinnert.
Die ätherischen Öle der Pflanze sind das, was den typischen Geschmack ausmacht. Sie sind besonders konzentriert kurz vor und während der Blütezeit – traditionell der beste Zeitpunkt zur Ernte.
Verwendung in der Küche
Wer Bohnen kocht, kennt das Pfefferkraut wahrscheinlich aus der Praxis. Der Name ist kein Zufall: Schon im Mittelalter galt es als das klassische Begleitkraut zu Hülsenfrüchten – grünen Bohnen, weißen Bohnen, Linsen. Sein Geschmack passt nicht nur ausgezeichnet, er macht das Gericht auch bekömmlicher, was traditionell als wichtiger Punkt galt.
Heute findet sich Bohnenkraut in vielen Gewürzmischungen wieder, etwa in französischen Kräutern der Provence. Es harmoniert mit:
- Bohnen-, Linsen- und Erbsengerichten
- Eintöpfen und Suppen
- Geschmortem Gemüse
- Wildgerichten
- Kräuteressig und Kräuterölen
Frisch ist Bohnenkraut deutlich aromatischer als getrocknet, hält sich aber in trockener Form über lange Zeit. Wichtig: sparsam dosieren. Der Geschmack ist intensiv, und zu viel davon kann ein Gericht schnell dominieren.
Pfefferkraut in der Klostertradition
In den Klostergärten des Mittelalters hatte Bohnenkraut einen festen Platz – als Küchenkraut, als Pflanze für den Tee und als Bestandteil von Kräutermischungen. Hildegard von Bingen erwähnt in ihrem Werk Physica zwar nicht das Bohnenkraut unter diesem Namen, beschreibt aber zahlreiche verwandte Lippenblütler wie Ysop und Bertram, die in ihrer Lehre eine wichtige Rolle spielen. Wer sich für die Pflanzenwelt der Hildegard-Tradition interessiert, findet in unserem Überblick zu Hildegard-Kräutern einen guten Einstieg.
In der überlieferten Klosterheilkunde wurde Bohnenkraut traditionell mit der Verdauung in Verbindung gebracht und als Begleiter zu schweren Gerichten gereicht. Auch als Bestandteil von Kräutertees war es bekannt – nicht als Heilmittel, sondern als überlieferter Bestandteil eines maßvollen, kräuterreichen Lebensstils.
Pfefferkraut anbauen: einfacher als gedacht
Bohnenkraut ist eine dankbare Pflanze für den Garten oder den Balkon. Es bevorzugt einen sonnigen Standort und durchlässige, eher trockene Böden. Wer Mittelmeer-Kräuter wie Thymian oder Rosmarin mag, hat hier einen guten Nachbarn:
| Aspekt | Hinweis |
|---|---|
| Standort | Sonnig, warm, geschützt |
| Boden | Locker, durchlässig, eher mager |
| Aussaat | Ab April direkt ins Beet |
| Erntezeit | Juli bis September, kurz vor der Blüte |
| Lagerung | Getrocknet in dunklen Gläsern |
Praktisch: Bohnenkraut sät sich oft selbst aus und kommt dann im Folgejahr wieder. Wer es einmal im Garten hat, hat es meistens für lange Zeit.
Was die Tradition überliefert
Wichtig vorweg: Pfefferkraut ist ein Kraut, kein Heilmittel. In den Schriften der europäischen Klostertradition wird es als Bestandteil eines maßvollen Speiseplans beschrieben – eingesetzt zur Verfeinerung von Speisen und als überlieferter Begleiter zu schwer verdaulichen Gerichten wie Hülsenfrüchten. Diese Sicht passt zu Hildegards Idee der discretio, des Maßhaltens, das in ihrer Lehre einen zentralen Platz einnimmt. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Ernährung nach Hildegard von Bingen.
Wer sich für Kräuter interessiert, denen in der Hildegard-Tradition eine besondere Stellung zukommt, findet in unserem Kräutersortiment eine Auswahl überlieferter Pflanzen. Auch ein Blick auf unseren Beitrag zu den Bitterkräutern kann sich lohnen, wenn das Thema Würz- und Klosterkräuter insgesamt interessiert.
Weiterführende Inhalte
- Hildegard-Kräuter im Überblick
- Ernährung nach Hildegard von Bingen
- Bitterkräuter
- Hildegards Lehre im Überblick
- Galgant nach Hildegard
- Kräutersortiment
- Kräutertees
Häufige Fragen
Was ist Pfefferkraut?
„Pfefferkraut" ist im deutschen Sprachraum ein Sammelbegriff für zwei Pflanzen: das Bohnenkraut (Satureja hortensis), das im Süden Deutschlands und in Österreich oft so genannt wird, und die Breitblättrige Kresse (Lepidium latifolium). In der Küchentradition ist meist das Bohnenkraut gemeint.
Wie schmeckt Pfefferkraut?
Bohnenkraut hat ein würzig-pfeffriges Aroma mit einer leicht harzigen Note. Es erinnert an eine Mischung aus Thymian und Pfeffer und ist intensiv – sparsame Dosierung ist deshalb sinnvoll.
Wofür wird Pfefferkraut traditionell verwendet?
Klassisch wird es in der Küche eingesetzt, vor allem zu Bohnen- und Linsengerichten. Auch als Bestandteil von Kräutermischungen wie den Kräutern der Provence ist es bekannt.
Ist Pfefferkraut das Gleiche wie Bohnenkraut?
Im süddeutschen und österreichischen Sprachraum ja – beide Begriffe meinen dort dieselbe Pflanze. Im engeren botanischen Sinn bezeichnet „Pfefferkraut" allerdings auch die Breitblättrige Kresse, die mit dem Bohnenkraut nicht verwandt ist.
Lässt sich Pfefferkraut im Garten anbauen?
Ja, problemlos. Bohnenkraut bevorzugt einen sonnigen, eher trockenen Standort und ist eine recht pflegeleichte einjährige Pflanze. Es sät sich oft selbst aus und kommt im Folgejahr wieder.
Was sagt die Hildegard-Tradition zu Pfefferkraut?
Hildegard von Bingen erwähnt das Bohnenkraut in ihrer Physica nicht ausdrücklich unter diesem Namen, beschreibt aber zahlreiche verwandte Lippenblütler wie Ysop. In der späteren Klostertradition fand das Pfefferkraut seinen Platz als Würzkraut und als Bestandteil eines maßvollen, kräuterreichen Speiseplans.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über Kräuter, ihre Geschichte und ihre Tradition. Er stellt keine medizinische oder therapeutische Empfehlung dar.